Uwe Kneschk
Schreiben und Reden in & um Cottbus





Abendzeitung-München führte ein Interview mit dem Bestatter Karl Albert Denk und sprach über neue Entwicklungen der #Bestattungskultur.

Warum der Trend zur Urnenbestattung geht und nicht im großen Kreis getrauert wird

AZ: Herr Denk, in München gibt es immer weniger Sarg-, dafür mehr Urnenbestattungen. Warum ist das hier so?
KARL ALBERT DENK: Dieses Phänomen gibt es in ganz Deutschland. In Städten ist die Quote deutlich höher. 60 bis 70 Prozent sind bei uns Feuerbestattungen, bis zu 40 Prozent sind Sargbestattungen. Hinter der Frage steht vor allem eine Lebenseinstellung: Möchte ich eher als Mensch beerdigt werden oder möchte ich, dass meine Asche beerdigt wird? Das entscheidet jeder individuell.


Was könnten weitere Gründe dafür sein?

Eine Urne kann verschieden beigesetzt werden. Seebestattungen sind zwar im süddeutschen Raum weniger gefragt, aber mit einem Sarg nicht möglich. Die Nachfrage nach Naturbestattungen ist tendenziell hoch. Ich kann die Urne an einem Baum bestatten. Manche möchten kein Erdgrab mehr, da der Aufwand für die Verwandten hoch ist. Es gibt in München im Westfriedhof eine Mosaikwand. Die Pflege übernimmt die Friedhofsverwaltung. Da geht es um Langfristigkeit. Auch anonyme Bestattungen wie im Waldfriedhof Neuer Teil gibt es kaum im Sarg. Man hat so keine Pflegekosten, Angehörige können aber nicht hingehen und etwas niederlegen.

Bei mehr Urnenbestattungen: Werden die Bestattungen insgesamt anonymer?

Ja und nein. Auch in München gibt es Leute, die keine nächsten Angehörigen mehr haben und der Freundeskreis überschaubar ist. Wir sind ja Singlehauptstadt. Wenn aus den Singles nicht Familien oder Partnerschaften werden, sterben diese Leute allein. Dafür gestalten wir Bestattungen heute viel individueller. Früher ging es oft um Blumen und Musik, heute geht es ins Detail: Sitzkissen, Diashow, ein individuell gestalteter Sarg, eine individuell gestaltete Urne. Da viele nicht mehr in der Kirche sind, werden Normen aufgebrochen

Machen das alles die Angehörigen?
Immer mehr Menschen regeln ihre Bestattung vor dem Tod selbst. Sie haben niemanden mehr, der Partner ist gestorben. Diese Tendenz gibt es in den vergangenen zehn Jahren deutlich. Man erkennt, dass die Leute das umtreibt.

Bei aller Individualität: Statistisch gibt es immer weniger Trauerfeiern.

Statt großer Feiern mit 300 oder 400 Leuten gibt mehr kleine und persönlichere Feiern. Wir hatten früher die Feier am Sarg im Krematorium, heute sind es 30 bis 50 Prozent weniger. Dafür haben wir eine Feier an der Urne mit der gleichzeitigen Beisetzung. Wir haben nur einfach eine Abnahme der klassischen Erdbestattung und die Verabschiedung am Sarg im größeren Kreis als Trauerfeier.

Warum ist das so?

Bei einer Erdbestattung und der Trauerfeier am Sarg gilt das Bestattungsgesetz, das innerhalb von 96 Stunden die Bestattung vorschreibt, plus Bestattungsfristverlängerung. Man ist zeitlich limitiert auf eine Woche oder zehn Tage. Bei einer Urnenbestattung habe ich alle Zeit der Welt, kann in Ruhe einladen und alles regeln.

Inwiefern beeinflusst der Preis die Wahl der Bestattung?

Die häufigste Frage. Viele wollen eine Feuerbestattung, im Glauben, dass es günstiger ist. Die Leistung des Bestatters ist aber erst einmal dieselbe: die Abholung, die Überführung, der Sarg. Unter dem Strich liegt der Unterschied zwischen Sarg- und Urnenbestattung bei maximal 100 Euro. Der große Unterschied sind die günstigeren Folgekosten. Ein normales Erdbestattungsgrab plus Grabpflege kostet jährlich mehr als ein kleines Urnengrab. Ich vergleiche das gerne mit dem Reisebüro. Da wird auch gefragt: Wo wollen Sie hin? Ins Fünf-Sterne-Hotel oder ins Zwei-Sterne-Hotel? Der Vergleich hinkt, doch es kommt hier wie dort auf die Leistungen an

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