Uwe Kneschk
Schreiben und Reden in & um Cottbus

Abschiednahme in Corona- Zeiten

Die Friedhöfe sind offen/ Bestatter bleiben immer der erste Ansprechpartner 

Besonders für Menschen, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen geliebte Menschen nicht beim Sterben begleiten können, erweise sich der Friedhof als wichtiger sozialer Ort, der helfe, diese menschlichen Tragödien zu verarbeiten.  

Durch die aktuelle Pandemie und die eingeleiteten Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 ereignen sich persönliche Tragödien im Kontext von Sterben und Trauern. Angehörige können Sterbende im Altenheim, Krankenhaus oder Hospiz nicht persönlich begleiten, und Sterbende sind in der letzten Phase ihres Lebens zwar medizinisch gut versorgt, doch häufig sozial ausgegrenzt.  

Viele Menschen möchten in ihren letzten Tagen und Stunden von denen begleitet werden, die sie lieben. Es braucht Nähe, Berührung und darin Geborgenheit, wenn Menschen aus dem Leben scheiden. Die Angehörigen, die haupt- und ehrenamtlichen Betreuer*innen und Begleiter*innen machen das Sterben zu einem sozialen Prozess rund um die Sterbenden. Doch in Zeiten einer globalen Pandemie sind die Einschränkungen massiv und verhindern dies häufig.  

Ein guter, ein gelungener Abschied kann im Trauerprozess heilsame Wirkungen entfalten. Doch auch hier ist aktuell Vieles, was notwendig ist, nicht möglich. Die dadurch entstehenden seelischen Verletzungen können schwer sein und werden Trauernde und damit unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr können nun wieder deutlich mehr Trauernde an Beisetzungen teilnehmen, doch auch hier gelten – je nach Räumlichkeiten – zahlenmäßige Beschränkungen.  

Der Friedhof ist ein ruhiger Ort, der dazu beitragen kann, solche Traumata zu überwinden. So der persönliche Abschied nicht möglich war, können im Angesicht des Grabes Ersatzrituale stattfinden, die einen innerlichen Abschied vorbereiten.  

Das Grab ist ein Ort, an dem Trauernde aktiv werden und dadurch in Kontakt zu den Toten treten können. Gestaltung und Pflege eines Grabes können somit zu einer stellvertretenden Handlung werden, um Gefühle wie Traurigkeit, Schuld oder auch Wut zu verarbeiten.  

Am Totensonntag gedachten zahllose Menschen ihrer Verstorbenen. In 2020 waren viele Tausende mehr dabei sein, denen ein persönlicher Abschied verwehrt geblieben ist. Friedhöfe als soziale Orte können helfen, indem sie menschliche Beziehungen und Gemeinschaft im Tod symbolisieren und Trauernde zusammenführen.  

Besonders in Notzeiten ist dies ein Trost, der das Leiden am Verlustlindern kann.

Für die Hinterbliebenen ist und bleibt der Bestatter immer der erste Ansprechpartner. Aus den Erfahrungen des Frühjahrs haben die Bestatter nun weitaus mehr Möglichkeiten der Beratung und der Planung für die Beisetzung. Daher sind die trauernden Familienangehörigen  oder Freunde, die mit der Regelung der Bestattung beauftragt sind, gut beraten sich vertrauensvoll an den Bestatter zu wenden.  

Zwar sind die Friedhöfe geöffnet und auch die Nutzung der jeweiligen Trauerhallen ist möglich.  Jedoch variieren die Möglichkeiten von Bundesland zu Bundesland und auch nochmal von Gemeinde zu Gemeinde. Auch in dieser Frage sind die Bestatter bestens darüber im Bilde, was wo an welchem Tag möglich ist.