Uwe Kneschk
Schreiben und Reden in & um Cottbus

Wie lange dauert eigentlich Trauer?

Eine Frage, die mir auch als Trauerredner immer wieder gestellt wird. Und ich muss sagen: Ich habe darauf keine Antwort.

Vielleicht sind einige Überlegungen hilfreich. Sicherlich ist ein Teil der Trauer auch davon abhängig, wie nah der Trauernde dem Verstorbenen stand. Welche Begebenheiten gab es zu Lebzeiten mit dem um den nun getrauert wird. Fragen, die sich in jedem Menschen anders reflektieren und daher nur im Zusammenhang zu sehen sind.  Auch die Lebenssituation, in der ein Verlust stattfindet, ist relevant. Ein Prozess also.

Trauern ist eine natürliche Reaktion der Psyche auf eine schmerzvolle Erfahrung, wie beispielsweise den Verlust eines geliebten Menschen. Trauer verläuft bei jedem Menschen individuell. Sowohl im Hinblick auf die Intensität als auch die Dauer.

Der Prozess des Trauerns

Das Trauern findet immer als ein Prozess statt, von dem man früher annahm, er verliefe im Sinne einer linearen Abfolge von bestimmten Phasen. Die heutige Sicht hingegen geht davon aus, dass sich Trauernde sehr unterschiedlich zwischen ihren inneren Zuständen hin und her bewegen.

Dabei geht es um die beiden zentralen Dimensionen von Verlust und Neuorientierung. Die Anerkennung des Verlustes und die Hinwendung zu einer neuen Lebensgestaltung verhalten sich dabei wie ein Pendel. Dieser besteht aus Bewegungen zwischen der Trauer und dem persönlichen Umgang mit den daraus resultierenden Belastungen und Anforderungen. Die Alltagserfahrungen, die betroffene Menschen dabei machen, prägen den Prozess wesentlich.




Die Trauer und die Annahme von Herausforderungen

Die Dauer der Trauer hängt entscheidend davon ab, in welcher Weise es den betroffenen Menschen gelingt, sich mit dem Entwicklungsprozess des Trauerns auseinanderzusetzen.

Hierbei gilt es zunächst, den jeweiligen Verlust als eine tatsächliche Realität im eigenen Leben anzuerkennen und zu akzeptieren. Im weiteren Verlauf folgt der Umgang mit den erlebten Gefühlen von Niedergeschlagenheit, Angst, Einsamkeit und tiefer Traurigkeit.

Dieses Erleben nicht wegzudrängen macht einen großen Teil der Bewältigung von der Trauer aus. Ein weiterer Aspekt des Trauerns besteht in der Suche nach neuen Herausforderungen und Aufgaben, die ohne den verlorenen Menschen möglich sind und dem eigenen Leben einen Sinn geben.

Als bewältigt gilt die Trauer, wenn der Verlust einen festen Platz in der persönlichen Geschichte findet. Ohne Beeinträchtigung der neuer Möglichkeiten. Hier gilt es die Waage zu halten zwischen einer Verbindung zum Verlust und der Hinwendung zu einem neuen Lebensabschnitt.

    

Trauer kann auch Überforderung bringen

Nicht immer verläuft ein Trauerprozess reibungslos und die Dauer der Trauer übersteigt die persönlichen Kräfte. Auch wenn es keinen einheitlichen zeitlichen Rahmen gibt, der ein Ende des Trauerns definiert, kann eine sehr lang andauernde tiefe Traurigkeit dennoch ein gesundes Maß übersteigen.

Das Trauern selbst ist keine Krankheit, sondern eine notwendige und wichtige Reaktion auf einen Verlust. Wird jedoch die Auseinandersetzung mit dem Verlust und der Traurigkeit vermieden, kann sich dieses Vermeiden auf die Bewältigung negativ auswirken, beispielsweise in Form einer Depression oder einer Angsterkrankung.

Hier ist es gegebenenfalls hilfreich, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um sich irgendwann wieder dem Leben und seinen Herausforderungen zuwenden zu können. Grundsätzlich jedoch gilt, dass das Zeitnehmen für Schmerz und Trauer legitim und wichtig sind und auch längere Zeit in Anspruch nehmen können und dürfen.

Gegebenenfalls  können auch Hilfsangebote der Diakonie, der Städter oder weiteren Hilfsangebote angenommen werden.